Kategorien
Aktuelles

Masterarbeit Merle Becker-Bertau: Täterinnen im Nationalsozialismus und „Trümmerfrauen“ in der Nachkriegszeit – eine Analyse zweier Erinnerungsnarrative in der deutschen Erinnerungskultur

Autorin: Merle Becker-Bertau

In der hier vorgestellten Masterarbeit werden die bestehenden erinnerungskulturellen Narrative von Täterinnen im Nationalsozialismus (NS) sowie von ‚Trümmerfrauen‘ in der Nachkriegszeit analysiert und in Bezug auf ihre Bedeutung für das deutsche kollektive Gedächtnis hinterfragt. Das Besondere ist dabei der Blick auf die Strukturkategorie ‚Geschlecht‘ und damit verbundene Weiblichkeitskonstruktionen eines scheinbar friedfertigen weiblichen Wesens, welche sich in den genannten Narrativen manifestieren. Um den Narrativbildungen entgegenzuwirken und nicht gar selbst Teil der Reproduktion dieser zu sein, entsteht für die Erziehungswissenschaft die Notwendigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit der Entstehung, Weitergabe und Funktion von erinnerungskulturellen Narrativen.


Weibliche Täterschaft wurde im Zusammenhang mit dem NS lange Zeit nicht beachtet und Frauen wurden höchstens als Mittäterinnen anerkannt. Kam es dennoch zu einer Verurteilung von Täterinnen, wurden diese Fälle in der Öffentlichkeit häufig als bestialische Einzeltäterinnen verhandelt (vgl. Hannemann 2011: 65). Seit den 1990er Jahren wird die Rolle der Frau im NS in der Forschung differenzierter betrachtet und auf die Problematik der inhärenten Weiblichkeitskonstruktionen im Umgang mit den Täterinnen des NS aufmerksam gemacht.
Auch im Kontext der Erinnerungskultur der ‚Trümmerfrauen‘ widerlegt die Forschung mittlerweile ein rein friedfertiges und aufopferungsvolles Bild der Frauen, welche ohne Zuhilfenahme von Maschinen in der Nachkriegszeit eigenmächtig begannen, deutsche Städte zu enttrümmern. Dennoch werden derartige einseitige Weiblichkeitsvorstellungen in der Erinnerungskultur aufrechterhalten und die Ereignisse des NS weiterhin überwiegend mit männlichen Tätern in Zusammenhang gebracht (vgl. Jaiser 2021: 7; vgl. zu den ‚Trümmerfrauen‘ vorrangig Treber 2014).


Die theoretische Rahmung der Forschungsarbeit erfolgt maßgeblich auf Grundlage der Überlegungen von Aleida Assmann, auf die sich die Begriffsbestimmung des kollektiven (deutschen) Gedächtnisses zurückführen lässt (vorrangig 2018 & 2020). Die Narrative der Täterinnen im NS und der ‚Trümmerfrauen‘ sind Teil dessen. Die für das jeweilige Narrativ relevanten Informationen, werden innerhalb des Kollektivs gesichert und weitergegeben und finden Ausdruck in der deutschen Erinnerungskultur. Die Inhalte des kollektiven Gedächtnisses sind dabei dynamisch und können im Zeitverlauf unterschiedlich priorisiert werden. Dies trifft ebenfalls auf die Forschungsnarrative zu, wobei die Vorstellung über das friedfertige Wesen der Frau dabei bislang nicht überwunden wird.


Ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus ist die Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung. Diese steht jedoch im Konflikt mit einem positiven Selbstbild des Kollektivs– hier der Nation. Durch die Inszenierung eines positiven nationalen Selbstbildes werden Schuld und Verantwortung abgewehrt oder zumindest relativiert (vgl. Salzborn 2020: 17,44). Die Narrative der Täterinnen und ‚Trümmerfrauen‘ in der Er- innerungskultur, welche trotz gegensätzlicher Forschungserkenntnisse
aufrechterhalten werden, erfüllen in diesem Zusammenhang eine Funktion für die deutsche Erinnerungskultur. In beiden Fällen bilden die Vorstellungen eines genuin friedfertigen weiblichen Wesens ein Entlastungsargument innerhalb der Erinnerungskultur, welches dem positiven nationalen Selbstbild dient. Die Unschuld qua ‚Geschlecht‘ anzunehmen, bedeutet, einen Teil der Bevölkerung aus der Verantwortung am NS zu ziehen. Dadurch wird auch ein unbelastetes Erinnern an die nach Kriegsende uneigennützig trümmerräumenden Frauen möglich, da die Verbindung zu potenzieller Täterinnenschaft aufgrund der zugrundeliegenden Weiblichkeitsvorstellungen abwegig scheint. Die ‚Trümmerfrauen‘ bedienen damit ein Bild von trotz allem gebliebener Menschlichkeit und einem gesellschaftlichen Verdienst, die dem Selbstbild positiv zugeschrieben werden können.


In der Masterarbeit wird das Fortbestehen einer einseitig positiv inszenierten deutschen Erinnerungskultur zugunsten des kollektiven Gedächtnisses mithilfe von bestehenden Forschungserkenntnissen analysiert und differenziert beleuchtet. Eine kritische Erziehungswissenschaft ist hierbei mit zwei grundlegenden Herausforderungen konfrontiert: Zum einen mit den Auswirkungen von Narrativbildungen innerhalb der Erinnerungskultur. Zum anderen mit der Integration geschlechtssensibler Bildung in die historisch-politische Vermittlung, wenn sie sich nicht in die Kontinuität
eines Erinnerns um der Entlastung oder Versöhnung willen einreihen will.


Literaturverweise:
Assmann, Aleida (2018): Der Lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. (3. Aufl.). München: C.H. Beck.
Assmann, Aleida (2020): Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention (3.Aufl.). München: C.H. Beck.
Hannemann, Isabelle (2011): Täterinnenschaft und weibliche Grausamkeitsmotivation. Raum. Körper und Wahrnehmung.
In: Brunner et al. (Hrsg.): Volksgemeinschaft, Täterschaft und Antisemitismus. Beiträger zur psychoanalytischen 90 Sozialpsychologie des Nationalsozialismus und seiner Nachwirkungen. Gießen:
Psychosozial. S. 57-110.
Jaiser, Constanze (2021): Vielfältige Geschichten ergeben erst die große Geschichte – Frauen in den Weltkriegen. In: Lernen aus Geschichte – Magazin. lernenaus-der geschichte.de/sites/default/files/attach/lag_februar_2021_frauen_erinnerung.pdf. Letzter Zugriff am:
22.01.2021.
Salzborn, Samuel (2020): Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern. Berlin u.a.: Hentrich & Hentrich.
Treber, Leonie (2014): Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes. Essen: Klartext.

Bildrechte: Sammlung Deutsche Fotothek

Kategorien
Aktuelles Aktuelles Feature

Vortrag, 26.01.22: Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Erinnerungskulturen mit Katharina Rhein

Die gegenwärtige Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus gilt in Deutschland vielerorts als Erfolgsgeschichte und wird vermehrt als wesentlicher Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses der BRD bezeichnet. Gleichzeitig nehmen Rechtsextremismus und Antisemitismus erheblich in Deutschland zu, woraufhin Gedenkstätten und ihre pädagogische Vermittlung immer häufiger als mögliche Maßnahmen der politischen (Gegen-) Bildung benannt werden.

Trotz der formulierten Ansprüche ist die Auseinandersetzung mit dem Holocaust in erziehungswissenschaftlichen Diskursen nach wie vor unterrepräsentiert, obwohl die Disziplin der Erziehungswissenschaft, mit all ihren vielfältigen theoretischen Zugängen, einen überaus geeigneten Raum für die Erforschung erinnerungskultureller Fragestellungen darstellt.

Dr. Katharina Rhein, Ko-Leiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main setzt sich in ihrer Dissertation zum Thema „Erziehung nach Auschwitz in der Migrationsgesellschaft – Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus als Herausforderungen für die Pädagogik“ mit aktuellen Herausforderungen innerhalb des Diskurses um die Erinnerung an Auschwitz auseinander. Zentral sind in ihren Ausführungen vor allem migrationspädagogische Ansätze, die sich mit nationalen Wir-Konstruktionen (Messerschmidt) beschäftigen und danach fragen, wie diese reproduziert werden und den Diskurs um die Erziehung nach Auschwitz in der Migrationsgesellschaft beeinflussen.

Gemeinsam mit Frau Rhein wollen wir nach einem Input darüber ins Gespräch kommen, welche aktuellen Spannungsfelder den erinnerungskulturellen Diskurs durchziehen und inwiefern dabei erziehungswissenschaftliche Perspektiven neue Handlungsbedarfe aufzeigen.

  • Wann? Mittwoch, 26.01.2022, 16:00 Uhr
  • Wo? Die Veranstaltung wird mit dem Webkonferenzsystem auf Basis von Zoom bereitgestellt. Wir bitten um Anmeldung unter: ekub@uni-hildesheim.de
  • Thema: Erziehung nach Auschwitz in der Migrationsgesellschaft – Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf Erinnerungskulturen.
  • Referent*innen:
    • Dr. Katharina Rhein, Ko-Leiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Kategorien
Aktuelles

Vortrag, 12.11.21: Aktuelle Herausforderungen erinnerungskultureller Praxis mit Jens-Christian Wagner

Am 12. November 2021 um 16 Uhr laden wir Sie zu unserer Auftaktveranstaltung des Schwerpunktes Erinnerungskulturen und Bildung ein. Neben der Vorstellung der Arbeit des Schwerpunktes und der dazugehörigen Homepage, wird Prof.Dr. Jens-Christian Wagner, (Direktor Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Friedrich-Schiller-Universität Jena) einen Impulsvortrag zu aktuellen Herausforderungen erinnerungskultureller Praxis halten. Außerdem stellt Kira Hildebrandt (Studierende MA Erziehungswissenshaft) ihren poetischen Beitrag vor, der im Kooperationsprojekt „Silence is no longer here because of us“ mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück entstanden ist.

Mit dieser und kommenden Veranstaltungen möchten wir einen Dialog über aktuelle erinnerungskulturelle Herausforderungen anregen. Die Auftaktveranstaltung findet per Zoom statt, die dazugehörigen Zugangsdaten können Sie dem Flyer entnehmen:

Kategorien
Aktuelles

Sound in the silence 2021 – Anmeldung für Studierende jetzt möglich

Vom 06.-16.10.2021, also bereits vor dem Beginn der Vorlesungszeit, haben Studierende der Universität Hildesheim die einmalige Gelegenheit am Projekt Sound in the Silence teilzunehmen, dass in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück durchgeführt wird.

Bei dem zehntägigen Projekt, dass in diesem Jahr digital durchgeführt wird, sind, neben der Teilhabe an Formaten kultureller Bildung und pädagogischen Workshops, auch Gespräche mit Überlebenden aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, ein zentraler Bestandteil in der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte des Ortes. Wir führen Sie am 05.10. inhaltlich ein und stellen Ihnen alle weiteren organisatorischen Informationen vor. Sie können sich im LSF unter der Veranstaltungsnummer 0422 anmelden, das Seminar ist mit 15 Plätzen begrenzt und auch für Bachelorstudierende geöffnet. Bei Fragen bezüglich einer möglichen Anrechung oder einer Vernüpfung mit Abschlussarbeiten sprechen Sie uns einfach an.

Ansprechpersonen: Tatjana Freytag & Aljoscha Napp

Kategorien
Aktuelles

Zweiter projektspezifischer DFG-Workshop „Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben“ zu Kinderzeichnungen aus Lagern in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Wie können Kinderzeichnungen aus den nationalsozialistischen Zwangslagern für kindheits- und bildungshistorische Fragen ausgewertet werden? Was lässt sich über das Erleben von Kindern sowie die Möglichkeiten und die Bedeutung zeichnerischen Schaffens im Lager sagen? Welche Potenziale und Grenzen sind mit dieser Quellengattung verbunden? Welche Relevanz hat die Unterscheidung zwischen Kinderzeichnungen und Zeichnungen von Erwachsenen?

Diesen Fragen widmen sich drei projektspezifische Workshops in dem von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderten Projekt „Paradoxe Bildung – Widerstand – Überleben“. Die Workshops finden in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück statt. Nach dem digitalen Auftakt im März trafen sich am 15. und 16. Juli etwa 20 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Großbritannien und Polen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Die Expert*innen verschiedener Disziplinen – Erziehungswissenschaft, Kunstgeschichte, Kunstpädagogik, Literaturwissenschaft, Politologie, Psychologie/Psychotherapie, Restaurierung und Soziologie – sichteten über 50 Zeichnungen im Original, die ein vierzehnjähriges polnisches Mädchen im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück angefertigte. Diese Zeichnungen stehen im Zentrum der drei Workshops.

Eröffnet wurde der Workshop durch Andrea Genest, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR), sowie Meike Sophia Baader und Wiebke Hiemesch (Hildesheim) vom Projekt „Paradoxe Bildung“. In einem Rundgang über das ehemalige Lagergelände des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück sensibilisierte Matthias Heyl, Leiter der pädagogischen Dienste der MGR, für die Geschichte des Ortes. Diskutiert wurden zudem ein sich wandelndes Gedenken und umkämpfte Erinnerungskulturen und Gedächtnispolitiken in Ravensbrück. Geleitet durch Sabine Arendt, Leiterin der Museologischen Dienste der MGR, sichteten die Wissenschaftler*innen die Zeichnungen des Mädchens im Original. Ruth Keller (Berlin) schärfte den Blick für die Erforschung und Erhaltung des Papiers als organisches Material und seine Bedeutung als selbstreflexiven Raum. Ein Abendvortrag von Bożena Chołuj (Frankfurt/Warschau) beleuchtete die Geschichte der Frauenbildung in Polen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts. Besonders ging sie auf die „Fliegenden Universitäten“ als tradierte Form emanzipatorischer Bildung für Mädchen und Frauen ein, an die in unterschiedlichen Zeiten der Besatzung und Unterdrückung in Polen sowohl für männliche wie weibliche Lernende angeschlossen wurde.

Der folgende Tag eröffnete mit einem Vortrag von Micha Brumlik (Frankfurt/Berlin) zu Transnationalen Erinnerungskulturen und aktuellen Deutungskämpfen. Unter der Frage „Historikerstreit 2.0?“ skizzierte er die Kontroversen um postkoloniale Kritik im deutschsprachigen Erinnerungsdiskurs. Am Beispiel der 1920 in Lwowie geborenen Elżbieta Nadel sprach Astrid Schmetterling (London) über Kunst, Trauma und Zeugenschaft. Elżbieta Nadel zeichnete 1942 im Lemberger Ghetto eine Serie von 18 Zeichnungen unter dem Titel Obrazki domowe“ [Images from Home], bei der sie auch Ironie und Humor nutzte.Christiane Heß (MGR) gab anschließend einen Einblick in ihre Forschungen zu Lager-Zeichnungen aus Neuengamme und Ravensbrück und öffnete den Blick auf die Vielfalt visueller Materialien. Im Mittelpunkt standen Zeichnungen von Erwachsenen, deren Motive und Techniken als Referenz für die Betrachtung der Kinderzeichnungen aus Ravensbrück dienen könnten. Als eine ebenso wertvolle Vergleichsfolie können die Kinder-Zeichnungen aus der Kunstsammlung der Gedenkstätte Buchenwald dienen. Eva Falldorf und Mackenzie Lake (Jena) gaben Einblicke in die Bestände aus kunstgeschichtlicher wie bildungspraktischer Perspektive im Kontext von Holocaust Education. Sie nahmen dabei vor allem Bezug auf Maria Brzęcka Kosk, die ebenfalls als junges Mädchen aus Polen verschleppt wurde und im Lager zeichnete, sowie auf Thomas Geve, der kurz nach der Befreiung von Buchenwald die Verbrechen zeichnerisch dokumentierte.

Diskutantinnen des Workshops in Ravensbrück waren über die genannten Beteiligten hinaus Ulrike Mietzner, Ulrike Pilarczyk, Bettina Uhlig, Sybille Rothkegel und Barbara Wittmann.

Im September wird die Workshop-Reihe digital fortgeführt. Im Mittelpunkt steht dann die Frage, inwiefern sich unterschiedliche Auswertungsmethoden für visuelles Material im Allgemeinen und (Kinder-)Zeichnungen im Besonderen für die Analyse der Extrembedingung Lager eignen. Wo ergänzen sich bestehende Zugänge aus unterschiedlichen Disziplinen und wo besteht Entwicklungspotenzial zur Auswertung von Kinderzeichnung? Welche Fragen werfen die Zeichnungen auf und was fällt an Ihnen auf?  

Kategorien
Aktuelles

Teamer*innensuche im Zeitzentrum Zivilcourage Hannover

Der neue außerschulische Lernort „ZeitZentrum Zivilcourage“ vermittelt die Geschichte der Stadtgesellschaft
Hannovers im Nationalsozialismus zwischen Verfolgung, Widerstand und Täterschaft. Er regt zu einer
kritischen Auseinandersetzung mit Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten im Sinne eines
zivilcouragierten Zusammenlebens in einer Demokratie an. Die pädagogische Arbeit zeichnet sich durch ein
biografisch-exemplarisches Vermittlungskonzept aus, das den Besucherinnen entdeckendes Lernen mit Gegenwartsbezug ermöglicht. Bis zum 30.09.2022 soll mit verschiedenen – auch inklusiven – Angeboten Erfahrungen gesammelt und diese evaluiert werden.

Die Tätigkeit als Teamer*in bietet die Chance, die Entwicklung der Vermittlungsarbeit in einem neuartigen außerschulischen Lernort aktiv mitzugestalten.
In Zusammenarbeit mit dem multidisziplinären Team des ZeitZentrum Zivilcourage werden durch die Teamer*innen (auf der Basis der Grundkonzeption für diese Einrichtung) modulare und interaktive Workshop zur Geschichte ausgewählter Personen während der Zeit des Nationalsozialismus in Hannover sowie themenspezifische Workshops mit verschiedenen jugendlichen Lerngruppen durchgeführt und schrittweise
ausgebaut.

Zu den Aufgaben der Teamerinnen gehören:

  • Durchführung und Nachbereiten von zielgruppenspezifischen pädagogischen Formaten für jugendliche Besucherinnengruppen gemäß der pädagogisch-didaktischen Grundsätze und Leitlinien des
    ZeitZentrums Zivilcourage.
  • Erstellen und Anpassen von pädagogischen Materialien und medienpädagogischen Formaten.
  • Mitarbeit an der laufenden Qualitätsentwicklung, z.B. über Hospitationen und Feedback.
  • Beratung und Begleitung von Individual- und Gruppenbesucher*innen während der öffentlichen
  • Besuchszeiten im ZeitZentrum Zivilcourage einschließlich organisatorischer Zusammenhangstätigkeiten.

Weitere Informationen und Hintergründe zur Bewerbung finden Sie hier:

Kategorien
Aktuelles

Filmpremiere „ASOZIAL“ am 07.07.21

Am 07.07.21 um 20:00 Uhr findet die Uraufführung des Filmprojektes „ASOZIAL“ per Zoom statt, welches von unseren Kooperationspartner*innen der KZ-Gedenkstätte Moringen in Zusammenarbeit mit dem Apex Kultur e.V. und „Stille Hunde“ Theaterproduktionen entstanden ist. Der Film ASOZIAL betritt Neuland: Eine Spielhandlung wird von Expert:innen Interviews zur Bedeutung des Begriffs Asozial unterbrochen. Die Auseinandersetzung im Film erfolgt an Geschichte und Gegenwart unterschiedlicher totaler Institutionen, die über einen Zeitraum von bald 300 Jahren in der Stadt Moringen angesiedelt waren bzw. sind, darunter auch das Jugend-KZ Moringen. Die Gesprächspartner:innen im Film sind der medizinische Direktor des Maßregelvollzugszentrums, Dr. Dirk Hesse, eine psychologische Mitarbeiterin der Einrichtung, Christa Zieker, die Bürgermeisterin der Stadt Moringen, Heike Müller-Otte, und der Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, Dr. Dietmar Sedlaczek. Mit der Spielhandlung im Milieu einer Gruppe heutiger Jugendlicher in Moringen gelingt es, die Problematik des auf Diffamierung und Exklusion ausgerichteten Begriffs „asozial“ zu zeigen. In seiner inhaltlichen Auseinandersetzung ist der Film anspruchsvoll und informativ und zugleich unterhaltend. Dazu tragen nicht zuletzt die Leistung der Schauspieler:innen aus der Region sowie die Professionalität des Films bei.

Bei Interesse melden Sie sich unter info@gedenktstätte-moringen.de oder bei uns, unter ekub@uni-hildesheim.de, an und Sie erhalten die entsprechenden Zoomdaten.

Kategorien
Aktuelles

Kompaktseminar | Exkursion „Silence is no longer here because of us“ vom 06.-15.10.21

Vom 06.10. bis zum 15.10.2021 findet die diesjährige Veranstaltung Sound in the Silence / Silence is no longer here because of us als digitales Kompaktseminar und Exkursion per Zoom statt. Zusammen mit anderen kooperierenden Hochschulen, haben wir die Möglichkeit mit 15 Studierenden teilzunehmen. Wenn der reguläre Anmeldezeitraum für das Wintersemester 21/22 im LSF beginnt, können sich interessierte Studierende hierfür im LSF anmelden, um daran teilzunehmen. Bei dem Projekt steht die Gestaltung beziehungsweise die aktive Teilhabe an neuen Formaten zur kulturellen Bildung innerhalb erinnerungskultureller Praxen im Vordergrund, weitere Informationen zu Sound in the Silence finden Sie hier finden oder in einem unserer anderen Beiträge hier auf der Homepage.

Eine andere Form der Partizipation wäre, das Projekt wissenschaftlich in Form von Abschlussarbeiten zu begleiten. Dies würde bedeuten, dass Sie mit uns im Vorfeld der Veranstaltung über Ihren Forschungsfokus sprechen und wir Sie bei der Auswahl möglicher Methoden zur Prozessbeobachtung- bzw. begleitung beraten. Sie wären dann keine Teilnehmende des Seminars, bekämen aber die Möglichkeit, während der Exkursion mit den Teilnehmenden und den Verantwortlichen (Künstler*innen, Projektleiter*innen, Überlebenden) für Ihre Vorhaben in Kontakt zu treten.

In beiden Fällen würden wir Sie bitten, sich bei Interesse bei uns zu melden, sodass wir rechtzeitig den Ablauf planen können.

Ansprechpersonen: Tatjana Freytag, Aljoscha Napp

Kategorien
Aktuelles

Ravensbrücker Kolloquium zum Thema „Emotionen in der Gedenkstättenarbeit“

Das  Ravensbrücker Kolloquium zum Thema „Emotionen in der Gedenkstättenarbeit“ findet am Mittwoch, den 16. Juni 2021, von 9 bis 12:30 Uhr, auf Zoom statt. Dieses Kolloquium steht im Zusammenhang mit dem Projekt „Silence is no longer here because of us“.
Auf dem Programm steht die Vorstellung und Diskussion zweier Masterarbeiten:

  • Jonas Ludwig Bartholomé:
    Der Zusammenhang von Emotionen und Indoktrination im Historischen Lernen. (Greifswald 2021)
  • Rosa Zylka:
    Kunst als emotionale Praxis und Bestandteil historisch-politischer Bildung an KZ-Gedenkstätten. Eine Evaluation des Erinnerungprojekts „‚Ravensbrücker Generationenforum‘ meets ‚Sound in the Silence'“ an der Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück. (Frankfurt/O. 2021)

Moderation: Ljiljana Heise und Matthias Heyl

Anmeldung und weitere Informationen hier oder unter ekub@uni-hildesheim.de.

Kategorien
Aktuelles Seminarbeiträge

Seminarreflexionen von Studierenden aus dem Seminar Methoden kultureller Bildung aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive im Wintersemester 20/21

Innerhalb des Seminars vonTatjana Freytag und Aljoscha Napp (Einen kompletten Seminarbericht finden Sie hier) nahmen die Studierenden an den künstlerischen Workshops des Projektes Sound in the silence teil und diskutierten im Anschluss die Angebote des Programms aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive. Ausgehend von dieser Erfahrung entstanden Reflexionen, die sich auf kreative Weise mit den Inhalten des Seminars auseinandersetzen und von denen zwei im Folgenden exemplarisch vorgestellt werden.

Kira Hildebrandt und Katharina Rosen: Reflexionsgespräch über das Seminar und über die Workshops Poetry Slam mit Aisha Ben Mansour und Sound mit Christian W. Find

In Ihrem Gespräch reflektieren Kira Hildebrandt und Katharina Rosen zunächst grundlegend über die gesamte Veranstaltung und den Zusammenhang zwischen gemeinsamer Seminarlektüre, dem Vortrag Moshe Zuckermanns und den Erfahrungen aus den verschiedenen Onlineworkshops des Projekts. Hierbei wird vor allem die Frage nach Authentizität, einer möglichen Auratisierung (Heyl) und des Stellenwertes des Ortes selbst für kulturelle Bildungsangebote von den beiden Studierenden diskutiert.

Jana Köhler: Reflexion des Rapworkshops mit Lena Stöhrfaktor

Jana Köhler reflektiert Ihre Teilnahme am Rapworkshop mit der Rapperin Lena Stöhrfaktor auf zwei Ebenen: Zunächst diskutiert Sie Ihre vorherrschende Skepsis aus erinnerungskultureller Perspektive, die sich vor allem auf mögliche Vereinnahmungen des Ortes durch kulturelle Bildungsformate bezieht. Darüber hinaus findet sich in der Reflexion auch der von Köhler selbstgeschriebene Text ihres Rapsongs, im dem Sie versucht die eigene Positionierung in Verbindung mit dem historischen Ort Ravensbrück zu bringen. Ein erster Auszug findet sich unten, die komplette Version können Sie hier als PDF-Datei herunterladen:

Ich bin ambivalent.

Darf ich denken, was ich denke oder fühlen, was ich fühle?

Es kostet so viel Mühe, weil ich diesen Ort nicht kenn‘.

 Niemals war, niemals wieder – nie vergessen.

Die Sonne scheint und der Himmel ist so weit,

doch ich seh‘ kaum Platz für all‘ diese Geschichten von dem Leid.

Gras wächst über ein Grab, in dem die Tränen niemals trocknen.

In dem noch ´nen Schicksal vom Sterben und vom Zwang bedroht ist vom Vergessen.

Als wäre nichts passiert, als hätte niemand was gehört – als hätte niemals eine Mutter hier ihr Kind verlor‘n.

Und niemand auserkor‘n den langen Weg zu gehen und sich selbst und ander‘n Frauen hier beim Sterben zu zusehen.